{"id":4914,"date":"2016-04-25T20:20:32","date_gmt":"2016-04-25T18:20:32","guid":{"rendered":"http:\/\/Kassel-spielt.de\/press\/?p=4914"},"modified":"2016-04-25T20:20:32","modified_gmt":"2016-04-25T18:20:32","slug":"4914-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kassel-spielt.de\/press\/4914-2\/","title":{"rendered":"Spiel: Soziales Medium, Bildungs- und Kulturgut"},"content":{"rendered":"<h2>Vortrag zum 10 \u2013 j\u00e4hrigem Bestehen des gemeinn\u00fctzigen Vereins Kassel spielt e.V<\/h2>\n<p>Drei Behauptungen beinhaltet dieser Titel, die ich gerne belegen m\u00f6chte, um Vorurteile \u00fcber den &#8222;Zeitvertreib Spiel&#8220; zu beseitigen und damit auch den m\u00f6glicherweise vorhanden Zweifel an der Sinnhaftigkeit unseres Vereinszwecks.<\/p>\n<p>Spr\u00fcche wie eine emp\u00f6rte Entgegnung &#8222;Ich spiele nicht; ich habe Wichtigeres zu tun&#8220; oder &#8222;Spielen ist Kinderkram&#8220; oder das mittelalterliche &#8222;Der Teufel kann fangen der Seelen viel mit Karten- und mit W\u00fcrfelspiel&#8220; sollen hier f\u00fcr diese Vorurteile stehen.<\/p>\n<p><strong><u>Spiel als soziales Medium:<\/u><\/strong><\/p>\n<p>10 Jahre <strong><em>Kassel spielt <\/em><\/strong>bedeutet Engagement und viel ehrenamtliche Zusammenarbeit, um die vielen formalen Aufgaben zu erf\u00fcllen, die ein gemeinn\u00fctziger eingetragener Verein leisten muss.<br \/>\n10 Jahre <strong><em>Kassel spielt<\/em><\/strong> bedeutet aber auch, inhaltlich die Ziele und Aufgaben des Vereins mit Leben zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Die 100 Mitglieder mit einer Altersverteilung, um die uns viele Vereine, die mit \u00dcberalterung zu k\u00e4mpfen haben, beneiden, zeigen schon, wie richtig und gesellschaftlich akzeptiert die Ziele des Vereins sind.<\/p>\n<p>Wir stellen R\u00e4umlichkeiten zur Verf\u00fcgung, halten das Spielmaterial in Stand, erweitern st\u00e4ndig das Angebot und f\u00fchren Spielaktionen durch, auch auf Bitten oder in Kooperation mit anderen sozialen Institutionen. Damit schaffen wir ein soziales Angebot f\u00fcr die B\u00fcrger dieser Stadt und des Landkreises.<\/p>\n<p>Menschen aller Altersgruppen , unterschiedlicher Schichten und Herkunft, f\u00fchren wir \u00fcber das Medium Gesellschaftsspiel zusammen. Und dabei ergeben sich auch Gespr\u00e4che, die \u00fcber das Spierische hinaus gehen.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von Werbung, Spielehandel und Modestr\u00f6mungen hat die Kasseler Bev\u00f6lkerung durch unser umfangreiches Spieleangebot Gelegenheit, neue und alte Spiele kennen zu lernen, um zu sehen, was einem selbst gef\u00e4llt und f\u00fcr den Freundeskreis oder die Familie geeignet erscheint.<\/p>\n<p>In den 5 Tagen pro Woche, an denen der Spieletreff f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4ngig ist, k\u00f6nnen sich Menschen treffen, die die gleichen Spiele wie man selbst liebt und die man sonst nicht kennen lernen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wir helfen auch, den Zugang zu neuen Spielen zu erleichtern, weil die Scheu vor dem Regelstudium eine gro\u00dfe H\u00fcrde darstellt. Denn im Verein finden sich immer Mitspieler, die das jeweilige Spiel erkl\u00e4ren k\u00f6nnen und das &#8222;learning by doing&#8220; unterst\u00fctzen. Besonders sichtbar wird das, wenn bei dem j\u00e4hrlich gr\u00f6\u00dften von uns veranstalteten Ereignis, dem Familienspieletag die Mitglieder mit ihren orangen &#8222;Erkl\u00e4rb\u00e4r&#8220; T-shirts die vielen hunderte Besucher in die Spiele einf\u00fchren.<\/p>\n<p><a class=\"ngg-fancybox\" title=\"10 Jahre Kassel Spielt - Es gab Reden von Frau Stadtr\u00e4tin Bergholter, unserer ersten Vorsitzenden Anja Mann und unserem Gr\u00fcndungsmitglied und Ehrenvorsitzenden Martin Ebel!\" href=\"http:\/\/Kassel-spielt.de\/press\/wp-content\/gallery\/10JahreKasselspielt\/10JahreKsp110.jpg\" rel=\"\" data-image-id=\"693\" data-src=\"http:\/\/Kassel-spielt.de\/press\/wp-content\/gallery\/10JahreKasselspielt\/10JahreKsp110.jpg\" data-thumbnail=\"http:\/\/Kassel-spielt.de\/press\/wp-content\/gallery\/10JahreKasselspielt\/thumbs\/thumbs_10JahreKsp110.jpg\" data-title=\"10JahreKsp110\" data-description=\"10 Jahre Kassel Spielt - Es gab Reden von Frau Stadtr\u00e4tin Bergholter, unserer ersten Vorsitzenden Anja Mann und unserem Gr\u00fcndungsmitglied und Ehrenvorsitzenden Martin Ebel!\"><img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic ngg-none\" src=\"http:\/\/Kassel-spielt.de\/press\/wp-content\/gallery\/10JahreKasselspielt\/thumbs\/thumbs_10JahreKsp110.jpg\" alt=\"10JahreKsp110\" \/><\/a><a class=\"ngg-fancybox\" title=\"10 Jahre Kassel Spielt - Es gab Reden von Frau Stadtr\u00e4tin Bergholter, unserer ersten Vorsitzenden Anja Mann und unserem Gr\u00fcndungsmitglied und Ehrenvorsitzenden Martin Ebel!\" href=\"http:\/\/Kassel-spielt.de\/press\/wp-content\/gallery\/10JahreKasselspielt\/10JahreKsp111.jpg\" rel=\"\" data-image-id=\"694\" data-src=\"http:\/\/Kassel-spielt.de\/press\/wp-content\/gallery\/10JahreKasselspielt\/10JahreKsp111.jpg\" data-thumbnail=\"http:\/\/Kassel-spielt.de\/press\/wp-content\/gallery\/10JahreKasselspielt\/thumbs\/thumbs_10JahreKsp111.jpg\" data-title=\"10JahreKsp111\" data-description=\"10 Jahre Kassel Spielt - Es gab Reden von Frau Stadtr\u00e4tin Bergholter, unserer ersten Vorsitzenden Anja Mann und unserem Gr\u00fcndungsmitglied und Ehrenvorsitzenden Martin Ebel!\"><img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic ngg-none\" src=\"http:\/\/Kassel-spielt.de\/press\/wp-content\/gallery\/10JahreKasselspielt\/thumbs\/thumbs_10JahreKsp111.jpg\" alt=\"10JahreKsp111\" \/><\/a><\/p>\n<p>K\u00fcrzlich habe ich die Klage eines \u00e4lteren Ehepaars geh\u00f6rt, da\u00df sie fr\u00fcher in der Familie immer gerne Gesellschaftsspiele gespielt haben. Aber seit die elektronischen Medien Einzug gehalten haben, Internet und Smartphone die &#8222;face to face&#8220; Kommunikation ersetzt, habe es gemeinsame Spieleabende nicht mehr gegeben.<br \/>\nIch sehe es deshalb als eine der Aufgaben des Vereins, der Vereinzelung der Menschen entgegen zu wirken und den Menschen Mut zu machen, im h\u00e4uslichen Umfeld wieder Spielerunden mit Angeh\u00f6rigen und Freunden einzurichten.<\/p>\n<p><strong><u>Spiel als Bildungsangebot:<br \/>\n<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Aber das Spiel hat \u00fcber den geselligen Aspekt hinaus, n\u00e4mlich Menschen zusammen zu f\u00fchren und soziale Isolierung zu durchbrechen, auch einen Bildungsaspekt:<\/p>\n<p>Sich im Spiel freiwillig gemeinsam den f\u00fcr alle verbindlichen <em><u>Regelungen<\/u><\/em> zu unterwerfen verlangt einen sozialen Lernprozess, der auch f\u00fcr das Leben in der realen Gesellschaft wichtig ist.<\/p>\n<p>Anhand von Spielekategorien m\u00f6chte ich die Bildungsbereiche verdeutlichen:<\/p>\n<ul>\n<li><em><u>Strategische<\/u><\/em><u> und abstrakte Spiele<\/u> f\u00f6rdern das logische Denken<\/li>\n<li><em><u>Wirtschafts- und politische Spiele <\/u><\/em>vereinfachen zwar reale Abl\u00e4ufe, machen aber Prinzipien deutlich\u00a0 Monopoly als Synonym)<\/li>\n<li><em><u>Kommunikative, kreative und Wort- und Sprachspiele<\/u><\/em> f\u00f6rdern Sprachkompetenz, sch\u00f6pferisches Denken und musische F\u00e4higkeiten.<\/li>\n<li>Das riesige <em><u>Angebot von Lernspielen<\/u><\/em> wird professionell vielf\u00e4ltig genutzt. Aber leider ist in diesem Bereich meist das &#8222;Spiel&#8220; nur nominell vorhanden, sondern f\u00fchlt sich oft an wie harte Lernarbeit. In diesem Bereich ist die Freiheit desSpiels selten vorhanden und kommt deshalb auch hier im Verein kaum auf den Tisch.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><u>Das Spiel als Kulturgut:<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Schiller: \u201eDer Mensch ist da nur ganz Mensch in seiner urspr\u00fcnglichsten Bedeutung, wenn er spielt&#8220;<\/p>\n<p>Zum Thema <strong>&#8222;Kulturgut Spiel\u201c<\/strong> soll ich mich kurz fassen. Deshalb will ich nicht damit anfangen, da\u00df ich\u00a0 \u00fcber den \u00e4ltesten Fund eines 6-seitigen W\u00fcrfels in Mesopotamien vor 4000 Jahren berichte oder von den neusten Forschungsergebnissen \u00fcber die Steinzeith\u00f6hlen &#8211; Malereien vor 10 000 Jahren, die ergeben haben, da\u00df die ber\u00fchmten Darstellungen von Handumrissen, die fr\u00fcher religi\u00f6sen Riten zugeordnet wurden, in Wirklichkeit aus reiner Freude am Ausprobieren entstanden sind.<\/p>\n<p>Unstrittig ist, da\u00df &#8222;Spiel&#8220; die Menschheit in seiner Entwicklung begleitet hat und genauso wie die anderen Kulturleistungen der Menschheit eine zunehmende Verfeinerung erfahren hat. Jede der Hochkulturen der Menschheit hat nicht nur ihre eigene Kunst oder Religion hervorgebracht, sondern auch Spiele. Beispiele daf\u00fcr sind <strong><em><u>Go; Mahjong; Schach; Kalaha (Awari); Hneftafle.<br \/>\n<\/u><\/em><\/strong><br \/>\nSpiel ist keine Kinderei, sondern war in seiner hohen Kunstform immer ein Privileg der gebildeten Erwachsenen. Sie genossen die geistige Freiheit, die das kultivierte Spiel bietet.<br \/>\nKultiviertes Spielen muss gelernt werden.<\/p>\n<p>Ich will mit einer Szene beginnen, die Sie alle schon mal erlebt haben: Da wollen einige Menschen Zeit \u00fcberbr\u00fccken und entscheiden sich f\u00fcr ein einfaches Spiel. Vielleicht ist der Gespr\u00e4chsstoff ausgegangen oder die Kinder m\u00fcssen f\u00fcr eine \u00dcbergangszeit besch\u00e4ftigt werden:<br \/>\nEs wird ein Spiel vorgeschlagen.<br \/>\nEs handelt sich also eindeutig um \u201eSpielerei\u201c. Das ist etwas, was man nicht um der Sache wegen tut, sondern nebenher.<\/p>\n<p>Und dann entsteht pl\u00f6tzlich ein Spannungsbogen, weil ein bestimmtes W\u00fcrfelergebnis oder eine bestimmte Karte kommen m\u00fcsste, um einen Erfolg zu bringen. Pl\u00f6tzlich sind die Spieler gebannt und feuern an, kommentieren und gehen mit.<\/p>\n<p>Jetzt ist es zum richtigen \u201eSpiel\u201c geworden. Die Spieler haben sich von der realen Welt abgel\u00f6st, bewegen sich mit all ihrer Energie (psychisch wie physisch) <strong>in<\/strong> diesem Spiel.<\/p>\n<p>Hier erkennen wir die Kraft des Ph\u00e4nomens \u201eSpiel\u201c. Es holt uns heraus aus den Zw\u00e4ngen des realen Lebens. Es gibt uns eine Freiheit des Denkens und Handelns, die uns angstfrei auf den Erfolg hoffen l\u00e4sst, aber auch bei Mi\u00dferfolg uns jederzeit die M\u00f6glichkeit des Wiederholens und Bessermachens und Lernen gibt.<\/p>\n<p>Huizinga, ein holl\u00e4ndischer Philosoph, hat in seinem Buch &#8222;Homo Ludens\u201c (der spielende Mensch) &#8211; was auch einen provozierenden Gegensatz zu den Begriffen \u201eHomo Faber\u201c (der handwerkliche Mensch) oder \u201eHomo Sapiens\u201c (der mit Vernunft begabte Mensch) darstellt &#8211; die These aufgestellt, da\u00df nur durch die F\u00e4higkeit des \u201espielerischen\u201c Verhaltens , also sanktionsfrei und unbelastet von lebensnotwendigen Zw\u00e4ngen Dinge ausprobieren zu k\u00f6nnen, der Mensch \u00fcberhaupt bef\u00e4higt wurde, Erkenntnisse zu gewinnen, die es ihm erm\u00f6glicht haben, s\u00e4mtliche kulturelle Leistungen wie Technik, Mathematik, Musik, Theater, Literatur, aber auch Philosophie und Religion, zu schaffen und weiter zu entwickeln.<\/p>\n<p>Deshalb nutzen wir auch das Verb \u201espielen\u201c in so vielen kulturellen Bereichen: Wenn ein Musikinstrument bedient wird, theatralische Darstellung ge\u00fcbt, beim Sport \u00dcbungen wie \u201ehinter einem Ball her rennen\u201c trainiert werden.<\/p>\n<p>Und in der Technik muss die Schraube ein wenig \u201eSpiel\u201c haben, um zu funktionieren (d.h. Bewegungsfreiheit haben).<\/p>\n<p>\u201eSpiel\u201c entfaltet sich dann am besten, wenn es <em><u>nicht instrumentalisiert<\/u><\/em> wird. Das passiert aber oft wegen seiner positiven Nebenwirkungen:<\/p>\n<p>\u201eKonzentration\u201c, \u201eRegeln akzeptieren lernen\u201c, \u201ef\u00fcr Neues und Unerwartetes offen\u00a0 sein\u201c, \u201emit Frust und Entt\u00e4uschung umgehen zu lernen\u201c, \u201esich freuen und emotional echt zu sein\u201c, \u201e\u00fcber Alters-, kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede hinaus sich im Spiel zusammen zu finden\u201c.<\/p>\n<p>Die Gefahr des Instrumentalisierens besteht besonders in der P\u00e4dagogik, wo oft Lerninhalte den freien Spielgedanken dominieren. Auch die ideologische Vereinnamung durch Themenwahl des Spiels stehen dem Spielgedanken entgegen..<\/p>\n<p>Besonders die <strong>Vermarktung<\/strong> des Kulturguts \u201eSpiel\u201c, bei dem \u201eum reales Geld spielen\u201c als Symbol f\u00fcr reale Macht und sorgenfreies Leben zur Sucht treiben kann (kommerzielle Pokerturniere, Schach um Geldpreis, Profi \u2013 Sport) zerst\u00f6rt das Ph\u00e4nomen \u201eSpiel\u201c und macht es zum realen Lebensinhalt.<\/p>\n<p>Deshalb rufe ich Euch auf, das Kulturgut Spiel in seiner urspr\u00fcnglischen Form als zweck- und sanktionsfreien Handlungsraum in unserem Verein zu pflegen und auszu\u00fcben und in unserer Gesellschaft f\u00fcr das Spiel als Kulturgut einzutreten und ihm seinen ihm geb\u00fchrenden Stellenwert zu verschaffen &#8211; neben Kunst , Schauspiel; Musik; Literatur.<\/p>\n<p>Martin Ebel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vortrag zum 10 \u2013 j\u00e4hrigem Bestehen des gemeinn\u00fctzigen Vereins Kassel spielt e.V Drei Behauptungen beinhaltet dieser Titel, die ich gerne belegen m\u00f6chte, um Vorurteile \u00fcber den &#8222;Zeitvertreib Spiel&#8220; zu beseitigen und damit auch den m\u00f6glicherweise vorhanden Zweifel an der Sinnhaftigkeit unseres Vereinszwecks. 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